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Jahn Translation Chapter 565

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Jahn is currently in Derenbourg [vol.2, p.452]

§ 565.

Ueber die Insertion. (I. J. § 731. 735-759). (Ferner) über
die Zahl der arab. Buchst. und die Oerter ihrer Aus-
sprache, über diejenigen, welche mit leiser, und diejeni-
gen, welche mit lauter Stimme gesprochen werden, über
die Zustände beider Arten und über ihre Unterschiede (I.
J. 732 -734)(1).

Die Zahl der ursprünglichen arab. Buchst. ist 29; sie werden Z. 5
-8 aufgezählt. Zählt man die abgeleiteten Buchst. hinzu, welche von
den 29 herkommen, so sind es 35. Diese abgeleiteten Buchst. sind häufig;
man gebraucht sie und hält sie für schön bei der Lesung des Korans
und der Gedichte. Es sind folgende: 1) das leichte Nûn (S. 453 Z. 16
und I. J. 1462 Z. 9-18), 2) das (zwischen dem vollen Hemze und dem
Alif oder Jâ oder Wâw S.) in der Mitte stehende Hemze, 3) das nach
Jâ hin stark geneigte Alif(2), 4) das wie Ǧîm gesprochene Shîn (I. J. 1462
Z. 24ff.), 5) das wie Zâ gesprochene Sâd (I. J. 1463 Z. 21ff.), 6) das
emphatisch gesprochene Alif nach higazenischem Dialekt, wie in den
Z. 12 angeführten Beispielen(3) (I. J. 1462 Z. 21 f.).

42 Buchst. ergeben sich, wenn man die nicht fur schön gehaltenen
Buchst. hinzurechnet, welche von denen nicht häufig gebraucht werden,
deren arab. Ausdrucksweise Beifall findet, noch für schön gehalten wer-
den bei der Lesung des Korans und der Gedichte. Es sind folgende:
1) das Kêf, welches zwischen Ǧîm und (dem reinen) Kêf steht, 2) das
Ǧîm, welches wie Kêf gesprochen wird (vgl. über beide I. J. 1463 Z. 10
-13), 3) das wie Shîn gesprochene Ǧîm (I. J. 1463 Z. 13-15), 4) das
schwache Ḍâd (I. J. 1463 Z. 21 f.), 5) das wie Sîn gesprochene Ṣ‎âd (I. J.
1463 Z. 23 f.), 6) das wie Tâ gesprochene Ṭâ (I. J. 1463 Z. 19ff.), 7) das
wie Ṯâ gesprochene Ẓâ(4) (I. J. 1463 Z. 24), 8) das wie Fâ gesprochene
Bâ (I. J. 1463 Z. 24 f). Diese vollständig aufgezählten Buchst. sind 42(5).
Der Ursprung sowohl der guten wie der schlechten Buchst. sind die
(zuerst aufgezählten) 29. Sie können nur durch mündliche Mittheilung
deutlich dargestellt werden, nur dass das schwache Ḍâd mit der (ihm
eigenthümlichen) Anstrengung ebenso gut auf der rechten wie auf der
linken Seite hervorgebracht werden kann. Letzteres ist leichter. Denn(6)
(das Ḍâd) geht vom Rand der Zunge aus und ist (durch den oberen
Gaumen, I. J. 1466 Z. 5) zugedeckt. Es findet nämlich(7) beim Ḍâd die
Anstrengung der Bedeckung zugleich mit der Entfernung derselben von

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ihrem (ursprünglichen) Ort statt (so dass dieses unmittelbar auf jenes
folgt). Dies ist beim Ḍâd zulassig, weil man es von der linken Seite
nach dem Ort hin wendet, welcher auf der rechten Seite liegt (oder um-
gekehrt). Dasselbe ist leichter (als die anderen emphat. Buchst.) weil
es vom Rande der Zunge (nicht vom Rücken derselben, wie die anderen
[D. 2,453] emphat. Buchst., I. J. 1466 Z. 5) ausgeht und sich mit dem Ausspracheort
anderer Buchst. vermischt, nachdem es hervorgebracht ist. Dasselbe
hat also eine grosse Ausdehnung (des Ausspracheorts) indem es sich
(nachdem die ursprüngliche Bedeckung durch den Gaumen aufgegeben
ist) mit dem (Ausspracheort der) Zungenbuchst. vermischt(8). Seine Hin-
wendung nach der linken Seite (Z. 17 f.) ist also leicht, weil es, auf dem
Rande der Zunge entstehend, (nach dem Aufgeben der Bedeckung) auf
der linken Seite in denselben Bereich (der Aussprache) geräth wie auf
der rechten. Es gleitet nämlich (nachdem die Bedeckung aufgegeben ist)
von der linken Seite fort, bis es sich mit den Zungenbuchst. verbindet,
ebenso wie es auf der rechten Seite geschehen kann.

Die(9) arab. Buchst. haben 16 Ausspracheorte (d. i. Orte der Sprech-
organe, an welchen die Aussprache zu Stande kommt). Die Kehle hat
3 solche Ausspracheorte. Den entferntesten Ausspracheort haben Hemze,
Hâ und Alif(10). Dem mittleren Theil der Kehle gehört der Aussprache-
ort des ῾Ain und Ḥ‎â an. Am nächsten dem Munde liegt der Aussprache-
ort des Ġain und Châ. Dem hintersten Theil der Zunge und dem darüber
liegenden Theil des oberen Gaumens gehört der Ausspracheort des Ḳâf
an. Dem Theil der Zunge, welcher ein wenig niedriger liegt, als der
Ort des Ḳâf (da der hinterste Theil der Zunge am höchsten liegt) und
dem nahe liegenden Theil des oberen Gaumens gehört der Aussprache-
ort des Kêf an(11). Im mittleren Theil der Zunge, zwischen ihr und dem
mittleren Theil des oberen Gaumens liegt der Ausspracheort des Ǧîm,
Shîn und Jâ(12). Zwischen dem vordersten Theil des Randes der Zunge
und den benachbarten Backenzähnen liegt der Ausspracheort des Ḍâd
(452 Z. 17 - 453 Z. 3). Am Rande der Zunge, von ihrem untersten Theil
an bis zum äussersten Ausläufer derselben, zwischen ihr und dem be-
nachbarten Theil des oberen Gaumens, ein wenig über dem zwischen den
Backenzähnen und dem Augenzahn stehenden Zahn, ferner über dem Augen-
zahn (nâb), über dem (einen) Vorderzahn (ṯ‎ânijjatun) und dem zwischen
den beiden letzten in der Mitte stehenden (rabâ῾ijatun) liegt der Aus-
spracheort des Lâm. Zwischen der Zungenspitze und der Partie, welche
ein wenig oberhalb der (oberen) Vorderzähne liegt, befindet sich der

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Ausspracheort des Nûn. In dem Ausspracheort des Nûn liegt auch der
des Râ, nur dass er etwas näher nach dem Rücken der Zunge hin liegt,
weil er sich (von hier) nach dem Ort des Lâm hinwendet(13). In dem
Zwischenraum, welcher zwischen der Zungenspitze und den Wurzeln der
Vorderzähne liegt, ist der Ausspracheort des Ṭâ, Dâl und Tâ(14). Zwi-
schen der Zungenspitze und dem Ort, welcher ein wenig oberhalb der
Vorderzähne liegt, ist der Ausspracheort des Zâ, Sîn und Ṣ‎âd(15). Zwischen
der Zungenspitze und den (oberen) Enden der (oberen) Vorderzähne (also
weiter nach unten als der so eben erwähnte Ausspracheort) ist der Aus-
spracheort des Ẓâ, Ḏâl und Ṯâ(16). Zwischen dem inneren Theil der Un-
terlippe und den Enden der oberen Vorderzähne liegt der Aussprache-
ort des Fâ. Zwischen den beiden Lippen liegt der Ausspracheort des
Bâ, Mîm und Wâw(17). In den oberen Nasenknorpeln liegt der Aus-
spracheort des leichten Nûn (S. 456 Z. 10).

Es(18) folgt die Aufzählung der 19 mit lauter Stimme, und der
10 mit leiser Stimme gesprochenen Buchst. Z. 17-20. Ein
mit lauter Stimme gesprochener Buchst. ist ein solcher, bei welchem
man sich mit voller Kraft auf den Ort der Aussprache stützt und den
Athem verhindert, zugleich mit dem Buchst. auszuströmen, weil dann
(wenn der Athem mit ausströmen würde) man sich nicht mehr auf den
Buchst. stützen, und auch der Ton mit ausströmen würde. Dies ist
die Beschaffenheit der lauten Buchst., mögen sie in der Kehle oder im
[D. 2,454] Munde liegen, nur dass man sich bei der Aussprache des Mîm und Nûn
auf den Mund und die Nasenknorpel stützt(19), so dass dadurch ein aus
den Nasenknorpeln dringender Laut entsteht. Dies erhellt daraus, dass,
wenn man dieselben mit zugehaltener Nase zu sprechen versucht, dies
ihre Aussprache beeinträchtigt. - Die mit leiser Stimme gesprochenen
Buchst. sind diejenigen, bei welchen man sich nur schwach auf den Aus-
spracheort stützt, so dass der Athem zugleich mit dem Buchst. heraus-
strömt. Dies merkt man, wenn man darauf achtet (was sich ergiebt)
wenn man den Buchst. zugleich mit dem Ausströmen des Athems zu
wiederholen versucht. Wenn man dies (die Wiederholung zugleich mit
Ausströmen des Athems) bei den laut gesprochenen Buchst. versuchen
würde, so wäre es unmöglich. Wenn man die Buchst. aussprechen will,
so kann man die Stimme (laut) erheben in Verbindung mit den weichen
oder Verlängerungsbuchst. und den in ihnen befindlichen und aus ihnen
herstammenden (Vocalen)(20), oder man kann die Stimme verbergen (d. i.
die Vocale halblaut aussprechen).

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Die Buchstaben werden ausserdem eingetheilt in energisch ge-
sprochene und schlaffe(21). Jene sind diejenigen, welche den Laut
(das vocalische Element) verhindern, mit dem Buchst. auszuströmen.
Aufzählung derselben Z. 7. Denn man würde nicht im Stande sein, al-
ḥag
so auszusprechen, dass man den Laut des Ǧîm verlänge. Aufzäh-
lung der schlaffen Buchst. Z. 8-10. Denn wenn man aṭṭas oder inḳaḍ.
u. Aehnl. spricht, so ist es möglich, den Laut (das vocalische Element)
mit dem Buchst. ausströmen zu lassen. ῾Ain steht zwischen den
schlaffen und energischen Buchst.; es ist möglich, den Laut
desselben zu wiederholen (d.i. fortgesetzt ausströmen zu lassen)(22) wegen
seiner Aehnlichkeit mit dem Ḥ‎â. Zu den (zwischen den energischen und
schlaffen Buchst. in der Mitte stehenden) gehört ferner der sich ab-
wendende Buchst.(23), das Lâm. Derselbe ist (ursprünglich) ein ener-
gischer Buchst., bei welchem aber doch die Stimme ausströmt, weil die
(Seiten der) Zunge, indem sie den Laut hervorbringt, (von dem Aussprache-
ort des Lâm, den Oberzähnen und dem Obergaumen) sich abwendet und dem
Laut keinen Widerstand leistet, wie die (eigentlichen) energischen Buchst.
Wenn man will, kann man bei seiner Aussprache den Laut verlängern.
Dennoch ist (dieser Buchst.) nicht (ganz) wie die schlaffen Buchst., weil
das Ende der Zunge sich nicht von dem Ausspracheort des Lâm zurück
zieht(24), und der Laut nicht von diesem Orte ausgeht, sondern von
den ein wenig höher liegenden beiden Seiten des dünn zulaufenden
Zungenrandes(25). - Ferner (gehört zu den zwischen den energischen
und schlaffen in der Mitte stehenden Buchst.) das Nûn, ein (ur-
sprünglich) energischer Buchst., mit welchem aber zugleich der Laut
(das vocalische Element) ausströmt, weil dies in einem Ton besteht,
welcher von der Nase ausgeht, während die Zunge fest an dem Aus-
spracheort des Nûn bleibt. Denn wenn man die Nase zuhalten würde,
so würde der Laut des Nûn nicht mit dem Buchst. herausströmen. Das-
selbe gilt von dem Mîm(19) (I. J. 142. Z. 24). - Ferner gehört hierher
der durch Wiederholung hervorgebrachte Laut, welcher (ursprünglich
auch) ein energischer Buchst. ist, d.i. das Râ. Doch strömt bei seiner
Aussprache der Laut aus, weil er wiederholt wird und sich nach dem
Lâm hinwendet. So neigt er sich nach dem vocalischen Element (welches
Lâm besitzt) hin, wie die schlaffen Buchst. Wenn er nicht wiederholt
würde, so würde der Laut nicht mit ausströmen(26). - Ferner gehören
hierher die weichen Buchst. Wâw und Jâ. Denn ihr Aussprache-
ort ist, entsprechend der Weite des (begleitenden vocalischen) Lautes,

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weiter als der der anderen Buchst., wie wenn man wa᾽jun und el-wâwu(27)
sagt. Wenn man will, kann man den Laut mit ausströmen lassen und
diese Buchst. (dadurch) verlängern.(28) - Ferner gehört hierher der
weite Buchst., das Alif.(29) Dies ist (auch) ein weicher Buchst.
Sein Ausspracheort ist ausgedehnter als der des Wâw und Jâ wegen der
[D. 2,455] Weite (des Raums) welchen der (begleitende) Laut einnimmt. Denn beim
Wâw drückt man die Lippen zusammen, und beim Jâ erhebt man die
Zunge nach dem Gaumen hin (darum haben beide einen engeren Spiel-
raum als Alif). Diese 3 Buchst. sind die verborgensten wegen der Weite
ihres Ausspracheortes (welche eine fest nüancirte Aussprache verhindert).
Unter ihnen ist der verborgenste und der, welcher den weitesten Aus-
spracheort hat, das Alif ; dann folgt das Jâ, dann das Wâw.

Ferner unterscheidet man zugedeckte(30) und offene Buchst.
Aufzählung derselben Z. 3 f. Denn man bedeckt (bei den offenen) um
einen von ihnen auszusprechen, nicht die Zunge, indem man sie nach
dem oberen Gaumen erhebt. Bei den vier (zugedeckten) aber wird die
Zunge, wenn man sie an den Ausspracheort dieser Buchst. legt, bedeckt
von ihrem Ausspracheort aus nach der Richtung der Zunge hin, welche
dem oberen Gaumen gegenüber liegt, indem man die Zunge zu ihm erhebt.
Legt man die Zunge (beim Aussprechen dieser 4 Buchst.) an, so ist der
Laut beschränkt auf den Bereich zwischen der Zunge und dem Gaumen
bis zum Ausspracheort dieser Buchst. hin. Beim Dâl, Zâ und Aehnl. da-
gegen ist der Laut nur dadurch beschränkt, dass man die Zunge an ihren
Ausspracheort legt (während bei jenen 4 der Laut durch die ganze dem
Gaumen gegenüber liegende Zungenpartie beschränkt wird). Jene vier aber
haben 2 Ausspracheörter der Zunge(31), was durch die Einengung des Lautes
(bei der Aussprache) klar wird. Wäre das Zudecken (der Zunge durch
den Gaumen) nicht, so würde Ṭâ zu Dâl werden und Ṣ‎âd zu Sîn und Ẓâ
zu Ḏâl, und Ḍâd würde ganz verschwinden, weil kein anderer Buchst.
von demselben Ausspracheort existirt (452 Z. 17 ff. und 453 Z. 8 f.).

Ich habe die Buchst. des Alphabets in dieser Weise beschrieben,
damit man wisse, bei welchen die Insertion gut ist, und bei welchen sie
zulässig ist, und bei welchen sie nicht gut und nicht zulässig ist, und
welche man mit anderen vertauscht, weil man sie für zu schwer hält,
wie man sie (aus demselben Grunde) inserirt, und welche man verbor-
gen spricht (S. 455 Z. 1 f.), indem man sie (trotz der verborgenen Aus-
sprache) wie vocalisirte behandelt.

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